Neoklassizismus

Pablo Picasso
Der Neoklassizismus hat in den Sprachen unterschiedliche Bedeutungen. So wird er im deutschen für die Bewegung im frühen 20. Jahrhundert verwendet, im englischen und italienischen beispielsweise jedoch für die Epoche, die im deutschen als Klassizismus eingestuft wird, etwa im 19. Jahrhundert. Man findet diese Kunstrichtung hauptsächlich in der Malerei und in der Bildhauerei sowie Architektur wieder. Ähnlich wie der historische Neoklassizismus bezieht er sich auf das klassische Altertum und auf den Klassizismus aus dem 18. Jahrhundert.

In der Malerei findet man solche Elemente bei den Malern Pablo Picasso, Juan Gris und Georges Braques beispielsweise. Picasso berief sich hauptsächlich in den Jahren zwischen 1917 und 1920 auf diesen Stil, nach dem er schon den Kubismus reichlich ausprobiert hatte und seine bisherigen Stilarten mit dem Klassizismus vereinte. Die Impulse bekam er dazu, nach dem er längere Zeit in Italien die klassische Kunst der Antike und Renaissance studierte. „Bildnis Olga im Sessel“ sowie das Bühnenbild zu der Aufführung „Parade“ (beide 1917) sind hervorragende Beispiele. Der für den Kubismus typische Ebenen und Perspektiven aufspaltende Stil macht Linien und Flächen Platz. Seine späteren Malereien wie „Sitzender weiblicher Akt, sich das Bein trocknend“ oder auch „Drei Frauen an der Quelle“ greifen diesen Stil in den frühen 20er Jahren bestens auf und erinnern an antike Statuen und Bilder.

Giorgio de Chirico
Während die Futuristen nach vorne blickten, die Zukunft darzustellen versuchten, blickte der Neoklassizismus zurück und griff deren Elemente und Schönheits- und Formendenken auf. Diese Rückbesinnung zu den alten Klassikern findet man auch in einigen italienischen Künstler, wie beispielsweise Giorgio de Chirico (1888 bis 1978). Mit seinem Manifest „Die Rückkehr zum Handwerk“ sagte er aus, dass er ein Künstler im klassischen Stil sei. Die deutschen Bildhauer Georg Kolbe und Adolf von Hildebrand beziehen sich ebenfalls auf die griechische und römische Antike.

Allgemein kann man sagen, dass zwar die klassischen Elemente verarbeitet wurden, jedoch in einer modernen Ausdrucksweise. Zahlreiche Künstler nahmen die Richtung während ihrer Hauptschaffenszeit auf.